Obst, Gemüse und Getreide:
neue Sorten braucht das Land!

Ökozüchter entwickeln neue Sorten, die optimal für einen Anbau unter Bio-Bedingungen geeignet sind und schaffen gleichzeitig neue Vielfalt in der Pflanzenwelt. Unsere Initiative „Kernkraft? Ja, bitte!“ unterstützt sie dabei.

Wir stellen vier gemeinnützige Vereine vor, die bereits lange in der ökologischen Pflanzenzüchtung tätig sind: apfel:gut e. V., die gemeinnützigen Vereine Poma Culta und Getreidezüchtung Peter Kunz sowie Kultursaat e. V.

apfel:gut

Förderverein zur Entwicklung und
Durchführung ökologischer Obstzüchtung

Wer?
Die Idee zu diesem Verein entstand im Jahr 2011 bei einem Treffen des Arbeitskreis Ökologische Obstzüchtung der Fördergemeinschaft ökologischer Obstbau (Föko e.V.). Äpfel und Birnen stehen im Mittelpunkt bei apfel:gut.

Warum?
Bioland- und Demeter-Obstbauern wollten sich unabhängig von der konventionellen Züchtung neuer Sorten machen. Der Verein hat deshalb Zuchtgärten auf Bioland- und Demeter-Obstbetrieben in Hollingstedt, Finkenwerder, Bielefeld, Wesel, Frankfurt/Oder, Kassel und im Stuttgarter Raum eingerichtet. So kehrt die Züchterkompetenz wieder zu den Bio-Obstbauern zurück.

Wir sind aus unserer Erfahrung fest davon überzeugt, dass die Intelligenz der Pflanzen weit mehr ist als nur ihre DNA.

Inde Sattler, Vorsitzende des Vereins apfel:gut

Wie?
Der Verein setzt ausschließlich auf klassische Kreuzungszüchtung und das Selektieren anhand des äußeren Erscheinungsbildes der Pflanzen. Eingriffe in die DNA oder den Zellkern der Pflanze finden nicht statt.

Das haben wir schon erreicht:
Zurzeit werden die ersten Äpfel und Birnen aus den Kreuzungen von 2010 bis 2012 getestet. 2025 könnte die erste Sorte aus den Züchtungen von apfel:gut im Handel zu finden sein.

Link zur Website: www.apfel-gut.org


Kultursaat e.V.

Verein zur Züchtungsforschung und
Kulturpflanzenerhaltung auf biologisch-dynamischer Grundlage

Mit den Pflanzen und deren Saatgut halten wir bereits die Vielfalt in unseren Händen, die wir später auf dem Teller haben.

Michael Fleck, Geschäftsführer Kultursaat e.V.

Wer?
Der gemeinnützige Verein widmet sich seit 25 Jahren der Züchtung und Erforschung von nachbaufähigen Gemüsesorten. Insgesamt werden rund 40 Kulturen gepflegt – von Klassikern wie Möhren und Radieschen über unzählige Kohlgewächse bis hin zu Zuckerhutsalat.

Warum?
Schon in den 1950er- und 1960er-Jahren war die Ökozüchtung für den Gemüseanbau ein wichtiges Thema. 1985 schlossen sich dann einige Gemüsegärtner zu einer Initiative zusammen. Sie wollten ihre Interessen und Erfahrungen auf dem Gebiet ökologische Saatgutvermehrung und der Züchtung zusammenbringen und weiterentwickeln. Hieraus wurde 1994 der Verein Kultursaat e.V. gegründet.

Wie?
Kultursaat arbeitet mit 30 biologisch-dynamisch arbeitenden Betrieben zusammen, die die Züchtungsarbeit übernehmen und jeweils auch eigene Schwerpunkte setzen. Eine der Erfolgssorten von Kultursaat ist die Möhrensorte „Rodelika“ von Dieter Bauer. Die Eigentumsrechte aller bei Kultursaat entstandenen Sorten liegen bei dem gemeinnützigen Verein. So bleiben sie als allgemein verfügbares Kulturgut erhalten und werden dem unmittelbaren Einfluss rein wirtschaftlicher Interessen entzogen.

Das haben wir schon erreicht:
80 Gemüsesorten sind als Neuzüchtungen von Kultursaat beim Bundessortenamt zugelassen (Stand: Mai 2019). Für weitere 19 Sorten ist Kultursaat als offizieller Erhaltungszüchter eingetragen.

Link zur Website: www.kultursaat.org

gzpk

Gemeinnütziger Verein Getreidezüchtung Peter Kunz

Die Vielfalt des Kulturgutes Getreide muss für alle verfügbar sein und das geht nur, wenn die Sorten nachbaufähig sind.

Herbert Völkle, Geschäftsführer gzpk

Wer?
Der gemeinnützige Verein Getreidezüchtung Peter Kunz (gzpk) mit Standorten in Feldbach am Zürichsee (Schweiz) und Meißner bei Eschwege (Deutschland) hat sich auf die Züchtung von nachbaufähigem Getreide spezialisiert.

Warum?
Gerade Getreidesorten wie Weizen, Roggen, Triticale und Mais stehen im besonderen Fokus der großen Saatgutkonzerne. Im konventionellen Anbau dominiert Hybridsaatgut, welches keinen sortenfesten Nachbau aus dem geernteten Getreidekorn erlaubt. Peter Kunz erkannte damals schon wie wichtig es ist, für den biologisch-biodynamischen Anbau selbst zu züchten und hatte mit dem Anbau von Feldfrüchten begonnen.

Wie?
Bei gzpk ist die Ernte von heute das Saatgut von morgen. Der Verein trägt also seit 35 Jahren dazu bei, den Kreislaufgedanken in der biologischen Landwirtschaft zu verwirklichen. Im eigenen Backlabor in Feldbach wird das Getreide in den verschiedenen Selektionsschritten analysiert und in Backversuchen getestet.

Das haben wir schon erreicht:
Die gzpk-Sorten haben sich zu den Standards im heutigen Biomarkt entwickelt. Der Verein bietet Weizen, Dinkel, Titicale, Emmer, Erbsen, Lupinen, Sonnenblumen und Mais in nachbaufähiger Qualität an. Bei biologisch-dynamischen Betrieben hat gzpk einen Marktanteil von 30 Prozent.

 Link zur Website: www.gzpk.ch

Poma Culta

Gemeinnütziger Verein zur Förderung der Forschung
auf dem Gebiet des biologisch-dynamischen Obstbaus

Wer?
Niklaus Bolliger begann bereits Ende der 1990er-Jahre mit ersten Kreuzungen und der Aussaat von Apfelkernen. Im Jahr 2004 entstand aus dieser Initiative der Verein Poma Culta. Er hat die Trägerschaft für diese ökologisch-dynamische Züchtungsarbeit inne.

Der Züchter muss einen Sinn für das Zukünftige entwickeln, um zur Erscheinung bringen zu können, was in den Pflanzen zunächst noch im Verborgenen schlummert.

Niklaus Bolliger von Poma Culta

Warum?
Als biologisch-dynamischer Tafelobstproduzent suchte Bolliger nach Möglichkeiten, neue Sorten zu entwickeln, die den hohen Qualitätsansprüchen des Marktes genügen. Gleichzeitig sollten diese Äpfel aber auch so robust und vital sein, dass sie gute und regelmäßige Erträge auch ohne großen Aufwand an Pflanzenschutzmaßnahmen bringen.

Wie?
Kreuzung und Aussaat finden auf dem biologisch-dynamisch geführten Hof von Niklaus Bolliger in Hessigkofen in der Schweiz statt. Die Sämlinge wachsen bei ihm in einem Obstgarten, in dem Pflanzen und Tiere in einem sinnvollen inneren Lebenszusammenhang stehen. Entwickelt sich eine Kreuzung vielversprechend, wird sie über Edelreiser (einjährige Triebe) vermehrt. Sechs biologisch-dynamisch arbeitende Partnerbetriebe in Deutschland, Frankreich und Italien (Südtirol) pflanzen dann je zehn Bäume an und testen sie.

 Das haben wir schon erreicht:
2020 könnte die erste Sorte aus dieser Testreihe zur Registrierung angemeldet und mit der Planung von Anbau und Vermarktung begonnen werden. Dann dauert es noch einmal fünf Jahre bis die Bäume bei den Bio-Obstbaubetrieben vollen Ertrag bringen und im Handel verfügbar sein werden.

 Link zur Website: www.pomaculta.org